Der TELETHON
24. TELETHON

Offener Brief an Dr. Christopher Anderegg

Offener Brief an Dr. Christopher Anderegg,

Präsident des Vereins zur Abschaffung der Tierversuche

Wissen Sie, was es bedeutet, zwei Kinder zu haben, die an einer Myopathie leiden? Bestimmt nicht, sonst würden Sie die Welt der Behinderten mit anderen Augen sehen. Wie ihr Grossvater litten unsere beiden Söhne an der Becker Muskeldystrophie und wie dieser Grossvater, der an Leukämie starb, starb auch unser Jüngster an Leukämie. In punkto genetische Krankheiten waren wir bedient.

Verzweiflung führt manchmal zu positiver Kreativität: Auf diese Weise entstand die Schweizerische Stiftung für die Erforschung der Muskelkrankheiten, für die mein Mann und ich den Preis der Universität Lausanne erhielten. Wir haben uns auch für die Gründung des Telethon in der Schweiz engagiert, jenes Telethon, gegen den Sie seit drei Jahren zu Felde ziehen.

Sie haben sehr viel Mitgefühl mit Tieren, aber recht wenig Einfühlungsvermögen für Menschen. Zumindest für die am stärksten Benachteiligten unserer Gesellschaft. Sie geben jedes Jahr Hunderttausende Franken aus (600'000 Franken in diesem Jahr), um eine Institution kaputt zu machen, die sich zu einem grossen Teil der sozialen Unterstützung widmet. Sie wissen sehr wohl, dass 50% der Einnahmen des Telethon dazu dienen, Not und Elend der wirtschaftlich schwachen Behinderten zu lindern. Aber das ist Ihnen vollkommen egal... Sie leben sicherlich in Komfort und Wohlstand und haben wahrscheinlich keine Vorstellung von den Schwierigkeiten, mit denen benachteiligte und behinderte Menschen zu kämpfen haben. Damit eine an der Duchenne Muskeldystrophie leidende Person in die Ferien gehen kann, braucht sie zwei Hilfen, die mit dem Geld des Telethon bezahlt werden. Anderenfalls gibt es keine Ferien… Auch erschöpfte Mütter werden vom Telethon dadurch unterstützt, dass ihre behinderten Kinder in Ferienlagern versorgt werden. Ausbildung und Förderung der Selbstständigkeit in Ergänzung zu den Leistungen der IV zählen natürlich zu unseren Prioritäten.

Dr. Anderegg, wenn ich die Plakate gegen den Telethon in den meisten unserer Städte sehe, die sich letztendlich aufgrund des kommerziellen Drucks zu deren Annahme entschliessen mussten, habe ich den Eindruck, dass unsere Mauern vor Scham erröten. Das behinderte Kind, das Sie schändlicherweise unter aller Augen in seinem roten Rahmen zur Schau stellen, ist angesichts der Verurteilung „Keine Hoffnung“, die Sie als Arzt ihm ins Gesicht zu schleudern wagen, verzweifelt! 

Ganz ehrlich, ist das eines Arztes würdig?

Monique Rognon-Barman

Cortaillod, am 3. Dezember 2006

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